Was die EU braucht: Eine Kommunikationsrevolution

, von  Eva Olschewski

Was die EU braucht: Eine Kommunikationsrevolution
Die Kolumne „Wir in Europa“ erscheint jeden Sonntag auf treffpunkteuropa.de. Autoren berichten im Wechsel über ihre persönlichen Erlebnisse mit der EU, was es bedeutet, Europäer zu sein und welche Ängste und Hoffnungen sie mit der Gemeinschaft verbinden. Foto: © European Commission / 2004

Woher kommt es eigentlich, dass die EU eher negativ wahrgenommen wird und die deutsche Berichterstattung nicht gerade zu einem positiveren Image der Staatengemeinschaft beiträgt? Ich überlege und recherchiere, dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Die EU braucht endlich gute PR!

In meinem Volontariat in einer PR-Agentur versuche ich, Unternehmen in den Medien über Pressemitteilungen, Interviews, Fachbeiträge oder regelmäßig bespielte Social Media-Kanäle präsenter zu machen. Wir betreiben sogenanntes Reputationsmanagement. Doch kann man dies nicht auch auf die EU anwenden? Ich mache mich auf die Suche nach der „PR-Abteilung“ der EU. Unter europa.eu/newsroom werde ich fündig. Ich stutze: Die Veranstaltungen werden zwar auf Deutsch beschrieben, aber klicke ich auf den Button „Pressemitteilungen“, stoße ich auf ein Mischmasch an deutschen, englischen und französischen Pressemitteilungen und Stellungnahmen. Warum? Wäre es nicht gerade hier sinnvoll, alle Pressetexte in jeder EU-Sprache zu veröffentlichen?

Ich blättere weiter und stoße auf eine Vielzahl an Podcasts und RSS-Feeds, die ich zum ersten Mal sehe. Pressematerial scheint also da zu sein – es wird nur kaum verbreitet! Ich erinnere mich an meine Praktikumszeit in Berlin, wo ich mich ständig mit neuen Broschüren im Europe Direct-Informationszentrum eingedeckt habe. Aber wo findet man diese Informationen sonst? Man müsste sie einfach noch stärker verbreiten, in Ministerien, aber auch an Orten, zu denen alle Menschen Zugang haben. Zum Beispiel könnten die Broschüren zu derzeit aktuell in den Medien diskutierten Themen an öffentlichen Plätzen ausliegen.

Außerdem müsste in der Öffentlichkeitsarbeit viel stärker auf Veranstaltungen gesetzt werden. Konstruktive Diskussionen über die EU direkt an den Unis oder auf der Straße, in der Volkshochschule oder an anderen öffentlichen Orten würden das Interesse der Bürger an der EU massiv erhöhen. Davon bin ich überzeugt.

Ich schaue mir die Facebookseite der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland an. Es gibt eine englischsprachige Seite direkt über die EU, auf der News des Parlaments zu ERASMUS und Co gepostet werden. Doch „Europäische Union“ suche ich vergeblich. Es gibt zwar die Vertretung der Europäischen Kommission und separat die des Europäischen Parlaments, aber eine allgemeine Seite finde ich nicht. Zumal einen das Gefühl beschleicht, dass beide Kanäle hauptsächlich dem Frustabbau unverschämter Poster dienen, auf die der Ausdruck „Fan“ nicht ganz passt. Auch gehen die Admins nur selten auf die Kommentare und Vorschläge ihrer Leser ein. Eine wirkliche virtuelle Diskussion kann so nicht entstehen.

Mir mangelt es an einer EU-Seite mit Interaktionspotenzial, die Lesern Raum bietet, sich über die EU auszutauschen. Am besten in jeder Sprache, die im EU-Raum gesprochen wird, damit sich niemand aufgrund eventueller Sprachbarrieren benachteiligt fühlt. Gute Online-Kommunikation bedeutet zuhören, relevante Themen beobachten, um dann einen Informations- und Argumentationsaustausch zu gewährleisten. Mag sein, dass es im Bürokratie-Apparat EU schwierig ist, auf jeden Einzelnen Rücksicht zu nehmen. Meiner Meinung nach wäre es angebracht, Social Media in der EU mehr Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Zum Beispiel über eine extra dafür eingerichtete Abteilung, oder?

Nur so können die Bürger die EU besser verstehen und ihren vielleicht zunächst negativen Eindruck noch einmal überdenken. Eine bürgernahe Staatengemeinschaft ist wichtig, um in Fragen der Europäischen Union voranzukommen. Um Bürgern in Ländern, in denen ein Referendum zur Mitbestimmung bei EU-Regelungen eingesetzt wird, zu ermöglichen, sich unabhängig von Regierungspropaganda ein eigenes Bild zu machen. Vielleicht beteiligen sich dann auch mehr an der Europawahl.

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