Was ist der D€?
Seit 2023 plant die Europäische Zentralbank (EZB) ein elektronisches Zahlungsmittel: den digitalen Euro (kurz D€). Zu den rechtlichen Rahmenbedingungen wird nach Angaben einer EZB-Sprecherin momentan an einem Regelwerk gearbeitet. 2029 könnte er eingeführt werden. Übrigens: Auch andere Länder, wie beispielsweise China, haben bereits eine digitale Währung.
Die EZB schreibt: „Er würde überall im gesamten Euroraum als digitales Zahlungsmittel akzeptiert, und man könnte ihn in Geschäften, online oder für Zahlungen an andere Privatpersonen verwenden.“ Das kostenlose Zahlungsmittel soll nach Angaben der EZB eine Ergänzung zum Bargeld sein, nicht ersetzen. Außerdem garantiere die EZB die Privatsphäre der Nutzer*innen, für alle innerhalb der Eurozone, auch ohne Bankkonto. Zusätzlich solle der digitale Euro wertstabil sein und auch offline funktionieren können.
Bargeld soll ausdrücklich nicht ersetzt werden. Der Europaabgeordnete Damian Boeselager (Volt) sagt zu Treffpunkteuropa: „Das Ziel ist Wahlfreiheit: Alle in Europa sollen selbst entscheiden, wie sie bezahlen wollen.“
Warum braucht es einen D€?
Online-Banking und Bezahl-Apps seien laut Boeselager abhängig von privaten Anbietern, vor allem aus den USA. Diese seien letztlich auch stark von der US-Regierung abhängig. Boeselager sagt: „Wenn Washington wollte, könnte es Europa den Zahlungsverkehr abdrehen.“
Diese Gefahr veranlasste die EU, sich mit dem digitalen Zahlungsverkehr innerhalb der Union zu beschäftigen, hängt Europa doch auch wirtschaftlich stark von Übersee ab. Der digitale Euro wird daher als Antwort auf weltweite Abhängigkeiten gesehen. „Er macht Europa krisenfester, unabhängiger und schützt uns davor, erpressbar zu werden“, sagt Boeselager. „Das ist ökonomische Sicherheitspolitik.“
Für den Handel wäre er eine einfachere und kostengünstigere Alternative zur derzeitigen fragmentierten Zahlungslandschaft, informiert die EZB. Er würde die Verhandlungsposition des Handels gegenüber den Anbietern von Zahlungslösungen stärken und ihn dadurch finanziell entlasten. Der digitale Euro könnte zudem zu einem höheren Umsatz für den Handel beitragen, insbesondere im Onlinehandel, da Zahlungseingänge in Echtzeit und ohne zusätzliche Kosten möglich wären.
Mit dem digitalen Euro könnten sichere Echtzeitzahlungen getätigt werden – im Geschäft, online oder zwischen Privatpersonen. Dabei wäre es egal, in welchem Land des Euroraums sich die Beteiligten befinden oder bei welchem Zahlungsdienstleister sie ihr Konto haben, so die EZB.
Ist der D€ sicher?
Die EZB selbst betont, dass die Nutzung des digitalen Euro anonym und verschlüsselt funktioniert. „Das Eurosystem könnte Sie nicht direkt mit Ihren Zahlungen in Verbindung bringen“, informiert die EZB. Sie sieht die digitale Version des Euro als öffentliches Gut: Die Daten würden nicht zu kommerziellen Zwecken genutzt. Die EZB weiß also nur, wie viel Geld in Umlauf ist - genau wie beim Bargeld.
Boeselager sagt: „Mit dem digitalen Euro wären unsere Zahlungen anonymer und sicherer als bei privaten Zahlungsanbietern, die internationale Kartendienste nutzen und heute riesige Datenmengen an Unternehmen in den USA weitergeben.“
Zusätzlich könne der digitale Euro auch dazu beitragen, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu verhindern.
Wie funktioniert der D€?
Als Erstes müsste bei einer Bank oder einer Poststelle eine sogenannte Wallet eingerichtet werden – also eine elektronische Geldbörse für digitale Euro. Anschließend kann diese Wallet über ein verknüpftes Referenzkonto oder durch Einzahlung von Bargeld aufgefüllt werden. Danach lässt sich mit den digitalen Euro in der Wallet bezahlen – im Geschäft, online oder unter Privatpersonen.
Geldeingänge in digitalen Euro könnten bis zu einer bestimmten Obergrenze in der Wallet gehalten oder auf ein Bankkonto eingezahlt werden. Dies könnte wahlweise manuell oder automatisch erfolgen.
Die Devise lautet: besserer Schutz. „Gerade junge Menschen zahlen kaum noch bar – sie brauchen eine sichere, europäische Lösung“, so Boeselager. „Und sie hätten einen weiteren Vorteil: Der digitale Euro kann nicht einfach gestohlen werden wie Bargeld, und im Verlustfall lässt sich der Zugriff wiederherstellen.“
Auch die EZB betont den inklusiven Charakter des Projekts. „Der digitale Euro würde so gestaltet werden, dass den Bedürfnissen aller Rechnung getragen und niemand von seiner Nutzung ausgeschlossen wird“, schreibt die EZB. Der digitale Euro soll inklusiv sein – für Menschen mit Behinderung, für Alte und Junge, für Menschen ohne Bankkonto und für Menschen, die in der EU Schutz suchen.
Wie teuer ist der D€?
Für private Nutzer*innen soll der digitale Euro kostenlos sein. Die EZB betont jedoch, dass Investitionen in ein digitales Bezahlsystem notwendig seien. „Die Kosten des digitalen Euro hängen von seiner endgültigen Gestaltung sowie von den Komponenten und damit verbundenen Diensten ab, die entwickelt werden müssten“, so die EZB. Finanziert werden sollen diese Kosten durch die Seigniorage – also den Gewinn, der durch die Ausgabe von Banknoten und Münzgeld entsteht.
Könnte der D€ die europäische Identität stärken?
Boeselager betont die emotionale Komponente des Projekts: „Er kann dazu beitragen, dass wir den Euro im Alltag wieder bewusster als gemeinsames europäisches Projekt erleben“, so Boeselager. Wie auch das Bargeld soll das Design der digitalen Version europäische Symbole tragen und einen hohen Wiedererkennungswert haben. „So erinnert er uns bei jedem Bezahlvorgang daran, dass dieses Geld unser gemeinsamer Erfolg ist – geschaffen von allen Europäerinnen und Europäern“, heißt es von Boeselager. „Mit dem digitalen Euro würde endlich das europäische Versprechen auch digital umgesetzt: Ein Euro ist ein Euro, überall in Europa.“
Die Kontroverse um den D€
Anders als Boeselager sind nicht alle Fan von der Ideen eines digitalen Zahlungsmittels in Europa. Die Europäische Volkspartei (EVP) bremst regelmäßig die Weiterentwicklung – das Europaparlament streitet seit Jahren für und wider. Auch die AfD in Deutschland stellt sich gegen das Zahlungsmittel, es sei der “Türöffner zum Überwachungsstaat”. Begründet wird dies durch den Kontrollverlust der Bürger*innen über ihr Geld. Doch gleichzeitig ist die Partei für den US-amerikanischen Bitcoin als staatsfreie Währung, um den Wettbewerb zu stärken.
Die Wirtschaft ist sich indes auch uneinig. Manche sehnen sich nach einem unbürokratischen, schnellen und digitalen Zahlungsmittel, andere verteufeln die Pläne zum digitalen Euro.
Es bleibt also abzuwarten, wie EU-Bürger*innen und Unternehmen auf die Einführung und die Nutzung des digitalen Euro reagieren werden und, ob der D€ eine Alternative zum Bargeld werden könnte.

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